Behindert und verrückt feiern Pride Parade

23-06-2018 15:00 - 19:00
Hermannplatz
Address: Hermannpl. 4-6, 10967 Berlin, Deutschland

Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Taube und Normalgestörte, kommt mit uns raus auf die Straße und feiert die fünfte

behindert und verrückt feiern PRIDE PARADE

leise und laut — solidarisch und proud!

Die Straße gehört uns, egal wie wir sind. Deshalb protestieren wir und feiern uns selbst. Einige von uns sind verunsichert, weil ihnen Angst gemacht wird oder weil sie bewusst klein gehalten werden, damit sie keine Forderungen stellen. Der Widerspruch dagegen regt sich, auch wenn er dann oft leise beginnt. Andere sagen schon laut, wer und was sie ausgrenzt, und fordern selbstbewusst, also proud, Respekt. Alle zusammen sind wir solidarisch — untereinander und im Umgang mit Anderen, die diskriminiert und unterdrückt werden!
Wir werden aus unterschiedlichen Gründen ausgegrenzt von der Gesellschaft, die uns sagt, dass wir anders sind. Wir werden auf unterschiedliche Weisen diskriminiert. Doch wir kämpfen gegen eine Gesellschaft, in der es eine Vorstellung von „normal“ gibt. Deswegen gehen wir alle zusammen auf die Straße und zeigen uns, so wie wir sind.

Seit Kurzem gibt es eine neue Bundesregierung. Auf vielen Seiten haben die beteiligten Parteien aufgeschrieben, was sie in den nächsten Jahren tun wollen. Einige Absätze befassen sich auch mit behinderten und verrückten Menschen. Mit dem, was dort steht, können wir aber nicht zufrieden sein. Das Betreuungsrecht soll „weiter entwickelt“ werden. Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung bleiben weiter möglich und Betreuer*innen entscheiden weiter über die Köpfe der Betreuten hinweg. Wir fordern: keinen Zwang, und Assistenz statt Betreuung! Und wir wollen ein Teilhabegesetz, das behinderten und verrückten Menschen tatsächlich die Assistenz und Unterstützung garantiert, die sie brauchen!

Die sogenannte „Behindertenhilfe“ macht weiter wie bisher. Die Etiketten sehen zwar besser aus als vor 120 Jahren, der Inhalt hat sich aber deutlich weniger verändert. Vor 120 Jahren sollten „Krüppel“ und „Idioten“ durch Arbeit zu „anständigen“ und brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden. Diejenigen, bei denen das misslang, wurden notdürftig in Anstalten untergebracht. Natürlich nennt das heute niemand mehr so, überall steht jetzt „Teilhabe“ und „Inklusion“ drauf. Aber immer noch steht Arbeit im Zentrum. „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ haben Vorrang vor allem anderen. Die Frage, ob der Mensch dabei entlohnte Arbeit verrichtet, in Behindertenwerkstätten für 180 Euro im Monat in der Produktion ausgebeutet wird oder Produktion nur vorgetäuscht wird, ist dabei drittrangig.
Der Zwang, in diesem kapitalistischen System funktionieren zu müssen, gilt nicht nur für jene unter uns, die unter schlechten Bedingungen Lohnarbeit leisten müssen. Er gilt auch für die Menschen, die längst aussortiert wurden, weil sie den Anforderungen dieses Systems nicht entsprechen. Patient*innen in der Psychiatrie sollen nicht nur lernen, dass sie „psychisch krank“ sind. Sie sollen diese sogenannte Krankheit akzeptieren und werden auf sie reduziert.

Gleichzeitig geht es aber darum, die Betroffenen wieder „fit“ für den Arbeitsmarkt zu machen und verwertbar für das kapitalistische System. Gelingt das nicht, werden sie eben in Zuverdienst-Werkstätten abgeschoben, um im „geschützten Rahmen“ sehr wenig Geld zu verdienen. Inklusion sieht anders aus!
Ähnlich ist die Situation von geflüchteten Menschen in Deutschland. Auch sie gelten erst dann als gut und sind erst dann willkommen, wenn sie in Deutschland arbeiten und überhaupt arbeitsfähig sind. Dass viele mit Behinderungen leben und dass sie individuelle Unterstützung benötigen, dass viele auch traumatische Erfahrungen verarbeiten müssen, wird übersehen. Die Unterkünfte sind meist nicht mal barrierefrei und medizinische Behandlung wird nur bei akuten Erkrankungen gegeben. Wir fordern: Schluss mit dieser Diskriminierung und allen anderen, und Barrierefreiheit überall!
Die Fixierung der Gesellschaft auf Verwertbarkeit schlägt auch auf die Pränataldiagnostik durch. Bluttests, mit denen die Wahrscheinlichkeit für einige Behinderungen leichter festgestellt werden können als bisher, stehen kurz davor, zur Krankenkassen-Leistung zu werden. Damit werden behinderte Menschen als unerwünscht dargestellt. Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen, geraten hingegen wieder stärker unter Druck von reaktionären sogenannten „Lebensschützer*innen“ und anderen Konservativen. Wir fordern: Schwangerschaftsabbrüche legalisieren, gesellschaftlichen Druck zur Selektion bekämpfen!

Für all das gehen wir am Samstag, den 23. Juni 2018, um 15 Uhr am Hermannplatz, (über Kottbusser Damm zum Südblock) auf die Straße. Dort zeigen wir uns so, wie wir sind – verrückt, humpelnd, sonderbar, verstört, lahm, stotternd, abwegig, befremdlich. Deshalb:
leise und laut – solidarisch und proud!

Damit es euch auf der Parade gut geht, versuchen wir sie so barrierefrei wie möglich zu machen: Sowohl am Start als auch am Ziel stehen barrierefreie Toiletten zur Verfügung. Es gibt ein Unterstützungsteam, das du ansprechen kannst, und Möglichkeiten zum Ausruhen. Die Redebeiträge werden in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Kommt alle!

Related upcoming events

  • 05-07-2019 17:00 - 05-07-2019 22:00

    [scroll down for English & Français] graphic design by Elmi Design​

    Auftaktkundgebung beginnt 17 Uhr / Introductory starts at 5pm !
    Marsch startet 18 Uhr / March starts at 6pm !

    [DEUTSCH]

    #BlackLivesMatterBerlin - Deutschland hat ein Rassismusproblem!

    Rassismus ist für Schwarze Menschen Alltag und spiegelt sich nicht nur in verbalen Beleidigungen und physischer Gewalt wider. Das gilt auch für Deutschland. Rassistische Diskriminierungen erfahren Menschen hierzulande auf persönlicher und institutioneller Ebene. Das reicht von Racial Profiling, Gesetzgebungen wie beispielsweise Änderungen von Polizeigesetzen, Straßenbenennungen und schulischer Bildung, über Medien, bis zu der Auseinandersetzung mit Flucht und dem Zugang zu Arbeits- und Wohnungsmärkten.

    Neben all diesen Themen sind es gegenwärtige Ereignisse aus aller Welt die uns immer wieder vor Augen führen, dass eine kontinuierliche Intervention durch die Bevölkerung erforderlich ist. In Deutschland zählen dazu aktuell der rassistische Mord an William Tonou-Mbobda und der ungeklärte Fall von Rooble Warsame. Des Weiteren stimmte der Landtag Sachsen-Anhalt Anfang des Jahres deutlich gegen die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Fall Oury Jalloh.

    Ende 2013 wurde die internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft durch die UN-Generalversammlung ausgerufen. Unter dem Motto "Menschen Afrikanischer Abstammung: Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung" verpflichtete sich unter anderem Deutschland bis 2024 die Anliegen von Menschen Afrikanischer Herkunft zu fördern und Rassismus zu bekämpfen. Doch wo bleiben staatliche und gesetzliche Konsequenzen? Deutschland muss seiner Verantwortung nachkommen.

    Wir sind nicht bereit, Rassismus – die Verletzung unserer Menschenwürde und Rechte – hinzunehmen und zu beschweigen.

    Am Freitag, 05. Juli 2019, ab 17:00 Uhr, findet aus diesem Grund zum vierten Mal in Folge die Black Lives Matter Protestmarsch in Berlin statt. Auch in diesem Jahr stehen Vernetzung und der Aufruf zum Handeln im Vordergrund: Wir wollen bestehende Räume, Ressourcen und Kontakte verknüpfen, um uns gemeinsam im Widerstand zu organisieren, um aktiv zu werden und zu bleiben.
    Der Protestmarsch ist Teil einer langfristigen lokalen und transnationalen Zusammenarbeit.

    Start der Demo ist der U-Bahnhof M*straße. Seine rassistische Namensgebung steht mit dem brandenburgisch-preußischen Versklavungshandel in Verbindung und ist noch immer symbolisch für Deutschlands mangelnden Willen zur Auseinandersetzung mit Rassismus. Die Redner*innen der Demo beleuchten die vielfältigen Effekte von Rassismus in der Vergangenheit, aber auch die aktuellen ungleichen Machtverhältnisse, die immer wieder Rassismus reproduzieren. Dabei ist es unser Anliegen stets anzuerkennen, dass unterschiedliche Diskriminierungsformen, wie Rassismus und Sexismus, miteinander verwoben sind und spezifische Ausschlüsse produzieren.

    Die Demo führt von der M*straße weiter über die Friedrichstraße, Rudi-Dutschke-Straße, Oranienstraße, Kottbusser Tor, Skalitzer- und Wiener Straße bis zum Spreewaldplatz. Ab ca. 20:00 Uhr wird es dort Live-Musik, Poetry und weitere Redebeiträge geben.

    Die 2012 nach dem gewaltsamen Tod von Trayvon Martin in den USA gegründete Bewegung hat international Bedeutung: Trotz spezifischer Probleme in verschiedenen Ländern, macht der Grundsatz „Black Lives Matter“ rassistische Strukturen weltweit sichtbar. Schwarze Leben sind nicht nur in den USA gefährdet.

    Die Black Lives Matter Demo in Berlin steht für eine nachhaltige Veränderung unserer Gesellschaft und gegen das Verschweigen von Rassismus. Auch Schweigen ist Gewalt.

    [ENGLISH]

    #BlackLivesMatterBerlin - Germany has a racism problem!

    Racism is part of everyday life for Black people and is not only reflected in verbal insults and physical violence. This also applies to Germany.
    Racial discrimination is experienced by people in this country on a personal and institutional level. This ranges from racial profiling, biased legislation and school education, racist street naming, to dealing with refugees and the limited access to labor and housing markets. But the media is also complicit in perpetuating this discrimination.
    In addition to all these issues, there are current events from all over the world that remind us again and again that a continuous intervention by the population is needed.

    In Germany, these include the recent racist murder of William Tonou-Mbobda and the residual case of Rooble Warsame. Furthermore, the state parliament of Saxony-Anhalt voted against the establishment of a parliamentary inquiry committee into the case of Oury Jalloh at the beginning of the year.

    At the end of 2013, the UN General Assembly proclaimed the international decade for people of African descent, the motto "People of African Descent: Recognition, Justice and Development." Germany committed itself among others, to promote the concerns of people of African descent and combat racism by 2024. But where are the institutional and legislative consequences, other than isolated and voluntary interventions? Germany has to fulfill its responsibility.

    We are not willing to accept nor hush up racism - and the violation of our human dignity and rights.

    For this reason, for the fourth time, the Black Lives Matter protest will take place in Berlin on Friday, 5 July 2019, starting at 5:00 pm. Networking and the call to action are also in the foreground this year: We want to link existing spaces, resources and contacts in order to organize ourselves together in resistance, in order to become and stay active. The protest march is part of a long-term local and transnational cooperation.

    The protest starts at the underground station M*straße. Its racist naming related to the Brandenburg-Prussian slave trade history is still symbolic of Germany's lack of will to deal with racism. The speakers of the demo will shed light on the manifold effects of racism in the past, but also on the existing unequal power relations that repeatedly reproduce racism. It is our concern to always acknowledge that different forms of discrimination, such as racism and sexism, are interwoven and produce specific exclusions.

    The march continues from M*straße via Friedrichstraße, Rudi-Dutschke-Straße, Oranienstraße, Kottbusser Tor, Skalitzer- and Wiener Straße to Spreewaldplatz. From about 8:00 pm there will be live music, poetry and more speeches.

    Founded in 2012 after the violent death of Trayvon Martin in the US, the movement has international significance: despite specific problems in different countries, the Black Lives Matter principle makes racist structures visible worldwide. Black life is not only endangered in the US.

    The Black Lives Matter protest stands for a lasting change in our society and against the silencing of racism. Silence is violence too.

    [FRANÇAIS]

    #BlackLivesMatterBerlin - L'Allemagne a un problème de racisme!

    Le racisme est quotidien pour les personnes noires et ne se traduit pas seulement par des insultes verbales et la violence physique. Cela vaut également pour l'Allemagne.
    La discrimination raciale est vécue par les habitants de ce pays sur les plans personnel et institutionnel. Ces discriminations concernent le contrôle au faciès, les changements législatifs, le nom des rues, le système scolaire de même que les médias, la gestion de l’exil ou l’accès à l’emploi et au logement.
    En plus de tous ces sujets, il existe des événements d'actualité du monde entier qui nous rappellent encore et encore qu'une intervention continue de la population est nécessaire.

    En Allemagne, il s’agit notamment du récent assassinat raciste de William Tonou-Mbobda et du cas inexpliqué de Rooble Warsame. En outre, le landtag de Saxe-Anhalt a voté contre la création d'une commission d'enquête parlementaire dans l'affaire Oury Jalloh au début de l'année.

    À la fin de 2013, l'Assemblée générale des Nations Unies a proclamé la décennie internationale des personnes d'ascendance africaine. Sous le slogan "Peuples d'ascendance africaine: reconnaissance/acceptation, justice et développement", l'Allemagne s'est engagée, entre autres, à promouvoir les préoccupations des personnes d'ascendance africaine et à lutter contre le racisme d'ici 2024. Mais où restent les conséquences institutionnelles et législatives en dehors des interventions isolées et volontaires? L'Allemagne doit assumer ses responsabilités.

    Nous refusons d’accepter et dissimuler le racisme - la violation de notre dignité humaine et de nos droits.

    Pour toutes ces raisons, pour la quatrième année consécutive, la manifestation Black Lives Matter aura lieu à Berlin le vendredi 5 juillet 2019 à partir de 17h00. La mise en réseau et l'appel à l'action sont de nouveau au premier plan cette année: nous voulons relier les espaces, les ressources et les contacts existants afin de nous organiser ensemble dans la résistance afin de devenir actifs et de le rester.
    La marche de protestation s'inscrit dans une coopération locale et transnationale à long terme.

    La manifestation débutera à l’arrêt de métro M*straße. Son nom raciste est lié au commerce d'esclaves Brandebourgeois-Prussien et reste le symbole du manque de volonté de l'Allemagne face au racisme. Les intervenants de la démo feront la lumière sur les multiples effets du racisme dans le passé, mais aussi sur les relations de pouvoir inégales actuelles qui reproduisent à maintes reprises le racisme. Nous tenons à toujours reconnaître que différentes formes de discrimination, telles que le racisme et le sexisme, sont imbriquées et produisent des exclusions spécifiques.

    La manifestation se poursuivra de M*straße vers Friedrichstraße, Rudi-Dutschke-Straße, Oranienstraße et Kottbusser Tor en passant par la Skalitzerstraße et Wienerstraße pour arriver à Spreewaldplatz. A partir de 20h00 se succéderont sur la scène de la musique live, des interventions poétiques et des discours.

    Fondé en 2012 à la suite de la mort violente, aux Etats-Unis, de Trayvon Martin, le mouvement a pris une signification internationale. Malgré la spécificité des problèmes dans chaque pays, le principe de « Black Lives Matter » rend les structures racistes visibles partout dans le monde.

    La manifestation Black Lives Matter est pour un changement durable de notre société et contre la dissimulation du racisme. Le silence est également une forme de violence.