Visionen für ein Mahnmal

06-06-2018 18:30 - 21:00
UdK Berlin
Address: Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin, Raum 102

Künstler*innen-Gespräch mit Nathalie Anguezomo Mba Bikoro & Michael Küppers-Adebisi

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18:30 Uhr
UdK Berlin, Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin, Raum 102 

Im Rahmen des offenen Seminars „Richtlinien für ein Mahnmal zum Kolonialismus“ der Afrika Akademie/Schwarze Volkshochschule und des Instituts für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin laden wir herzlich zum Künstler*innen-Gespräch ein.

An diesem Abend werden die beiden Künstler*innen im spontanen Gespräch aus eigenen künstlerischen Positionierungen heraus ihre Gedanken und Wünsche, Visionen, Zweifel etc. in Bezug auf ein in Berlin bevorstehendes Mahnmal zum Kolonialismus bzw. kolonialen Verbrechen, anbringen.

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Statement von Michael Küppers-Adebisi:

Ein Denkmal im Sinne der Community der People of African Descent sollte ein Ort der Begegnung und des Kulturaustausches werden. Da Schwarze Menschen auch gegenwärtig im öffentlichen Raum nicht angemessen repräsentiert werden, sollte ein Denkmal einen Gegenwarts-Raum gestalten an dem sich Schwarze Menschen gerne aufhalten. Er sollte als Zielgruppe People of African Descent perspektivisch miteinbeziehen und sich nicht nur an den weiß dominierten Mainstream richten. Er sollte ein proaktiv dekolonial gedachter Raum sein. Bei der Planung ähnlicher Projekte sei ihm besonders aufgefallen, dass in den Studien nur weiße Expertisen abgebildet werden. Mit multimedialen großflächigen Außenformaten kann die „Danger of a Single Story“-Narrative, mit subversiven Sprachformen und Themen aus Schwarzen urbanen Kulturen in die Planung mit aufgenommen werden. Dies ist zu vergleichen mit Graffitis, die bereits früher Teile der Städte für diasporisch-migrantische Communities zurückerobert haben. Grund dafür war auch, dass viele Communities, die nicht hauptsächlich durch Schriftsprache und weiß geprägt sind, verstärkt visuell kommunizieren.

Auszug aus dem Text der Festivalbroschüre zur Installation „ A Right to Mourn; A Right To Monument (DIY Plantation Radio Station)“ von Nathalie Anguezomo Mba Bikoro im Rahmen des Republik Repair Festivals, Ballhaus Naunynstrasse, 2017:

Wie wirkt sich der Umstand, dass unsere Geschichte selektiert und im Dienst westlicher, politischer Zwecke und Herrschaft ausgelöscht wurde, auf uns und unsere gegenwärtige Erfahrung aus? Was bedeutet dies für unsere Forderungen nach Reparationen, die wir an kolonial geprägte Strukturen stellen? Welche Forderungen sollten wir stellen, wenn wir darauf abzielen, unsere Erinnerungen, Körper und Lebenswelten zu erneuern? Wir könnten ein mobiles Denkmal verlangen, das von Gemeinschaften, die überlebten, entworfen wird und den verlorenen Communities Sichtbarkeit und Anerkennung schafft. 

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Michael Küppers-Adebisi ist ist ein afrodeutscher Lyriker und Multimediakünstler. In seiner intermedialen Praxis agiert er als Autor, Kurator, Publizist, und Kultur-Manager. Küppers-Adebisi studierte Kunst unter Nan Hoover und Nam June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf. Er vertrat die Bundesrepublik als erster afrodeutscher Lyriker beim Deutsch-Nuorican-Poetry-Festival in New York 1996. Seine künstlerischen Werke wurden aktuell u.a. vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin (2013), der Villa Roma in Florenz (2015), dem Goethe Institut SA (2016) und vom Gorki Theater Berlin (Herbst Salon 2017) ausgestellt. Als Kultur-Manager realisierte er The CoffeeShop als 1. Schwarzen Deutschen Kultur-Salon (1992-2000). Seit 2001 setzt er mit AFROTAK TV cyberNomads Konzepte für Schwarze und diasporische Wissensproduktionen und Erinnerungskultur um (Bildungs-Archiv, Multimedialabor, Onlineplattform). Mit dem Black Media Congress holte er in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung internationale Schwarze Best Practice Projekte nach Berlin (Goethe Institut 2002, Heinrich-Böll-Stiftung 2003, HKW 2004). Bereits 2004 rief UNESCO Deutschland den von ihm initiierten Literaturpreis May-Ayim-Award als deutsches UNESCO-Projekt zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung aus. Mit Black Berlin Biennale for Contemporary Art and Discourse (2012/2016/2018) und DOCUMENTA Africana Germanica (2016), hat er zwei offizielle Projekte für die UN-Dekade for People of African Descent entwickelt. Vom Black Heritage Magazin wurde er wiederholt als eine_r der wichtigsten Afrodeutschen geehrt (2006, 2014, 2017). Der Berliner Senat, die Bundesregierung und die Europäischen Union haben seine innovativen zivilgesellschaftlichen Interventionen wiederholt ausgezeichnet.

Nathalie Anguezomo Mba Bikoro is a conceptual artist, visual activist, writer and teacher with an transdisciplinary practice that includes performance, archaeology, video & sound, story-telling, politically and socially engaged international/local collaborations, and community based projects. Her practice works on the functions of performing archives contesting the purpose of our cultures, histories and identity through decolonial cannibal aesthetics. Her research is a time-machine reacting to sense-memory and political landscapes to create Human Monuments about spaces and peoples across all nations to re-invent memorial post colonial gestures towards freedom. Bikoro is Associate Lecturer in Philosophy and Arts History and Curator of Performance Programmes at Savvy Contemporary gallery in Berlin. She is director of Squat Museum in Gabon and Artistic Director of Squat Monument & Future Monuments. Her contributions include in Dak’art Biennale Senegal (2012); Smithsonian Museum of African Art Washington DC (2013); Tiwani Contemporary London (2012); Kalao Pan African Galleries Bilbao (2014); 798 Art District Gallery Beijing (2015); Museum of African Art Johannesburg (2011); Michael Stevenson Gallery Cape Town (2011); Tate Britain London (2009); Pitts Rivers Oxford Museum UK (2014); Bedfordbury Gallery London (2010); South London Gallery (2010); and Art15 Fair London (2015). She is the recipient of several awards including BBK Artists Award (2017), British Arts Council (2016), Senats Abteilung Kulturelle Angelegenheiten (2016), Goethe Institut South Africa (2016), Fondation Blachère and Afrique Soleil Mali for Best Artist awarded at the 10th Dakar Biennale (2012), Best Discovery Award at New York Cutlog (2013), Ercillas Prize for Best Exhibition Award at FIG Bilbao (2014), HANGAR Research Fellowship Lisbon/Angola (2016-219). She was recently speaker in the TAZ.Lab Open Conferences at Haus Der Kulturen Der Welt presenting Decolonial Cities. She is also part of the Goethe Institute’s programme Episodes of the South in São Paulo.

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SAVE THE DATE I
Nächstes Künstler*innen-Gespräch
Wer: Akinbode Akinbiyi & Simone Dede Ayivi
Wann: Mittwoch, 4. Juli 2018, 18:30 Uhr
Wo: UdK Berlin, Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin, Raum 102

SAVE THE DATE II
Weiteres Künstler*innen- Gespräch
Wer: Philipp Khabo Koepsell & TBA
Wann: Mittwoch, 18. Juli 2018, 18:30 Uhr
Wo: UdK Berlin, Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin, Raum 102

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