ADEFRA

ADEFRA e. V. (zunächst Schwarze Deutsche Frauen, später Schwarze Frauen in Deutschland) gründete sich Mitte der 1980er Jahre und gilt als einer der ersten Zusammenschlüsse von schwarzen Deutschen in der Nachkriegszeit. Parallel entstand ISD (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland), die aus Männern und Frauen bestehende Organisation afrodeutscher Menschen in Deutschland. Das Kürzel ADEFRA steht für afrodeutsche Frauen. Anlass der Gründung waren die Debatten um das 1986 von May Ayim (Opitz), Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz vom Berliner Frauenverlag Orlanda herausgegebene Buch „Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ sowie die von der lesbischen afroamerikanischen Dichterin Audre Lorde angeregten Diskussionen über Rassismus, Sexismus und Homophobie. Gemeinsam mit der karibisch-afrikanisch-amerikanischen Aktivistin Audre Lorde (1934–1992) wird der Begriff Afro-deutsch 1984 mit schwarzen deutschen Aktivistinnen entwickelt. Durch Audre Lorde angestoßen, lernten schwarze Aktivistinnen in Deutschland sich bewusst auf andere schwarze Frauen zu beziehen. Das geschah in langen prozesshaften Entwicklungen in unterschiedlichen Räumen, wie in der Frauenklasse an der Freien Universität Berlin. Die Suche nach einer gemeinsamen Sprache für die geteilten Erfahrungen als schwarze Aktivistinnen in Deutschland mündete in die politische Selbstbezeichnung ‚Afrodeutsch’, später ‚schwarze Deutsche’. Die Selbstbezeichnung begründete ein neues kollektives Selbstverständnis. Dies wirkte als Motor zur Mobilisierung schwarzer AktivistInnen bundesweit. Als Initialzündung der Schwarzen-Bewegung in Deutschland gilt dann die kurz darauf folgende Gründung der bundesweiten Vereine ADEFRA und ISD (zunächst Initiative Schwarzer Deutscher inzwischen Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland). Diskussionsprozesse und Definitionsversuche kennzeichnen somit den Auseinandersetzungston der Anfangsbewegung. Die Aneignung, Anfechtung und Subversion hierarchisierender Kategorisierungen wurde als politisches Mittel geschätzt. Dabei stand autobiographisches Schreiben an bedeutender Stelle. In Texten und Gedichten wurden schwarze weibliche Realitäten und Blickperspektiven in die deutsche Sprache eingefasst.